Achtung:
Doppelte Treffenstermine:
Ab Juni findet an den Donnerstagen, an denen sich die Gruppe trifft noch ein 2. Termin am Abend statt. Damit möchten wir den Personen, die zu den Treffen kommen möchten, es ihnen aber am Nachmittag um 14.00 nicht genehm ist, wie z.B. Personen in Arbeit, die Möglichkeit am Abend ab 18:00 geben. Es finden also ab jetzt bis auf weiteres jeden 2. Donnerstag des Monats jeweils um 14:00 und 18:00 Uhr ein Treffen der Regionalgruppe ILCO-Schweinfurt-Main-Rhön statt.
Vor kurzem wurde ich gebeten, einen Bericht über die Erfahrungen eines Stoma Tragenden auf Reisen zu verfassen.
Da sich mir in den 30 Jahren meiner Reiseaktivität noch niemand als solcher zu erkennen gegeben hat, so werde ich über meine eigenen Erfahrungen als Stoma tragender Reisende berichten. Diese Erfahrungen begannen im Februar 2001, ca. 5 Wochen nach meiner OP zu einem endständigen Colo-Stoma. Direkt nach der ersten Phase meiner Strahlentherapie, noch vor Beginn der Chemo, begaben wir, meine Frau und ich, uns auf eine 10 tägige kombinierte Reise nach Norwegen.
Damals habe ich noch nach guter alter Schule irrigiert, weil ich es so gelernt hatte. Das bedeutete einen entsprechenden logistischen Aufwand.
Vorher waren wir es gewohnt, mit minimalem Gepäck, d.h. einen kleinen Koffer in Boardcase-Größe und einen Rucksack, jeweils für eine Person, für bis zu 5 Wochen Reise, auch nach Fern Ost zu reisen. Ab diesem Zeitpunkt benötigte ich einen Rucksack mehr für meine Stomaversorgung, Irrigationsbeutel, Schläuche und Stomabeutel. Tägliches Irrigieren und Beutelwechseln bedeutete pro Tag einen Irrigationsschlauch, mindestens 2 Stomabeutel, nebst Gaze und Zellstoff in entsprechender Menge, sowie flüssige Seife, Schutzcreme, Wundsalbe und Lösemittel. Das alles war wohl nicht schwer, aber ich hatte auch nicht mehr Hände als zuvor.
Auf dieser Reise war ich noch sehr vorsichtig, was das Essen anbelangte, da ich nicht auffallen wollte durch irgendwelche Katastrophen oder Geräusche am Tisch, obwohl es auf den Schiffen der Hurtigruten schon zum Frühstück Lachs und 3 Sorten Kaviar gab. Bei dem Angebot fiel es mir schwer mich zurückzuhalten. Ich fühlte mich auf dieser ersten Reise nach der OP trotzdem recht wohl, nur meine Frau fühlte sich schon damals unbehaglich ob der Geräusche und der Geruchsbelästigung bei der Irrigation.
Nach den Terroranschlägen in USA kamen die verschärften Bedingungen der EU und USA dazu, was das Handgepäck in Flugzeugen betrifft, das hieß für mich meine Flüssigkeiten incl. Cremes, Seife und Pasten, auch wenn ich sie als medizinische Versorgungsartikel deklariert hatte, bei der Flughafenkontrolle getrennt zu halten. Ich hatte aber damit, außer der umständlichen Handhabung, keine Probleme, bis auf einem Inlandsflug in Vietnam, dieses Jahr. Da hatte ich noch 2 kleine Wasserflaschen ( versiegelt ) dabei. Das war der Beamtin zu viel. Ich musste die 2 Wasserflaschen in den Müll werfen und die Flasche Seife, mit etwas mehr als die erlaubten 100 ml Inhalt, sollten auch konfisziert werden. Auch der heftige Einspruch unseres einheimischen Reisebegleiters nutzte nichts. Die Flasche wurde, in einem kleinen Karton verpackt, extra auf den Namen des Reisebegleiters eingecheckt und mit geliefert. Ich bekam sie nach der Landung wieder. Die Kontrollbeamtin wurde nach dem Aufsehen, das sie mit mir erzeugt hatte, abgelöst. Seitdem packe ich alles, während des Fluges nicht unbedingt notwendige in den Koffer, mit dem Risiko des Verlustes. Mit dieser Art des Gepäcks reisten wir einige Jahre durch die Welt.
Die Irrigation stellte lange Zeit kein vor Ort unlösbares Problem dar, auch wenn es meiner Frau oft unerträglich war, wenn ich es abends in den schlecht oder nicht Schall isolierten Bädern der Hotelzimmer durchführte.
Bis eines Tages nach einer Ayurveda-Kur auf Sri Lanka bei der selbst organisierten Rundreise mit gemietetem Kleinbus, Fahrer und Führer, die Wasserqualität zum Spülen nicht mehr gewährleistet war. Es gab kein Trinkwasser zu kaufen, mit Fanta oder Cola wollte ich nicht irrigieren, so beschloß ich ohne tägliche Irrigation weiter zu reisen. Es funktionierte hervorragend. Wenn mein Darm ausscheiden wollte, so konnte er es tun und ich wechselte den vollen Beutel bei nächster Gelegenheit.
Von da an reduzierte sich mein Stomaversorgungsbedarf auf den Inhalt eines Kulturbeutels.
Bei späteren Reisen in und um Europa mit der entsprechenden oft deftigen Kost hatte ich dann mit diesem System: Einteilige Ausstreif-Beutel, ohne Hautschutzpaste, häufig Probleme. Nach dem Frühstück setzte die Ausscheidung ein und auf dem Weg zu diversen Tagestouren musste ich häufig im Hotel bleiben oder später nachkommen, da es im wahrsten Sinne des Wortes in die Hose gegangen war.
Es kam auch einmal vor, dass sich der Beutel bei einer Trekking-Tour durch den heißen Urwald Borneos löste, was sich schon vorher im Bus bei der Anfahrt durch eine feine Geruchsentwicklung ankündigte. Ich verneinte die Frage, ob ich in Hundekacke getreten wäre, aber im Dschungel bei mehr als 40 C war es vorbei mit der coolness. Ich hatte bis dahin keine Gelegenheit den Beutel zu wechseln. Bei der erstbesten Rast schlug ich mich in die Büsche und zog die schweißnasse Hose herunter, da kribbelte und zwackte es überall. Ich stand direkt neben einem Ameisenhaufen. Ich musste die Stellung wechseln.
Bei diesem Beutelwechsel ging so ziemlich alles schief, der neue Beutel hielt nicht, da ich vor Schweiß triefte und mein Vorrat an Zellstoff und Papiertaschentücher aufgebraucht war. Schließlich schaffte ich es doch, mir war aber klar, daß eine bessere Lösung gefunden werden musste. Wieder zu Hause ließ ich mich im Sanitätshaus beraten und mir wurde ein zweiteiliges System unter Verwendung der Hautschutzpaste empfohlen.
Diese Kombination verwende ich jetzt seit mehreren Jahren. Mit der Zeit habe ich auch herausgefunden, warum diese Kombination besser funktionierte. Erstens fängt der Zwischenraum im Ring der Basisplatte den ersten Schwall der Ausscheidung auf, bis der dann im Beutel nach unten rutscht und zweitens, dichtet die Paste ab. Bei einteiligen Systemen würde der erste Schwall gleich unter die Platte gepresst, mit den uns allen bekannten Folgen.
Den Nachteil modischer Art, daß das System „ mehr aufträgt“ nehme ich gerne in Kauf.
Während der oft 12 Stunden langen Flüge mit der zwangsläufigen Unbeweglichkeit im Sitz hatte ich bisher noch keine Probleme. Ich bereite mich vor Abflug entsprechend darauf vor, indem ich einige Tage vorher meine gewohnte, recht Ballaststoff reiche Kost absetze und durch leichte und Energie reichere ersetze. Ich esse generell fast alles.
Auf den Reisen esse ich sowieso weniger ballaststoffreich und es bekommt mir gut. Auch da esse ich fast alles, Insekten und Kröten ausgenommen. Wir sind es gewohnt am Straßenrand zu essen, auch in Asien. In den Restaurants, auch der nobleren Art, wird oft versucht, eine internationale Küche zu pflegen, was oft schief geht und wir haben die Erfahrung gemacht, daß die jeweilige authentische Küche von den Einheimischen besser zubereitet wird und auch besser schmeckt.
Das Fazit nach nun fast sieben Jahren des Reisens für mich als Stomaträger lautet:
Mit etwas Mut zur Überwindung von Hindernissen und Schranken im eigenen Kopf, Findigkeit in der Lösung der Logistikprobleme, sowie Offenheit im Umgang mit dem Bodenpersonal der Fluglinien und Reiseunternehmen sollte es keine unüberwindlichen Hindernisse bei Reisen geben, auch bei Fernreisen nicht. ( Man sollte sich auch nicht scheuen, notfalls auch mal tatkräftig, auf seine spezielle Behinderung hinzuweisen und seine eigenen Bedürfnisse anmelden). Allerdings würde ich nicht darauf vertrauen, dass ich meine Versorgung vor Ort bekomme. Ich verlasse mich in dieser Hinsicht nur auf mich und nehme ungefähr doppelt so viel Material mit, als ich zu Hause benötige. Allerdings habe ich bisher regelmäßig fast die Hälfte wieder mit zurück gebracht.
Aus aktuellen Anfragen an mich gehen noch einige Fragen hervor, die ich gerne beantworte.
Meine Stoma-Versorgungsartikel trage ich selbstverständlich immer "am Körper", d.h. im Handgepäck, mit Ausnahme der entbehrlichen Flüssigseife. Nur wenn es sehr viel ist, wie bei einer 4-5 wöchigen Reise, gebe ich die Reserve auch in den Koffer. Bisher ging noch kein Koffer verloren, nur 2 zu Bruch, was natürlich mit jeder neuen Reise die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Verlustes erhöht.
Hinsichtlich der Haltbarkeit der Versorgungsartikel gab es bisher keine Einschränkung. Ich besorge mir die benötigten Artikel vorher frisch. Ich glaube aber nicht, daß es Probleme gäbe, würde ich einen Jahresvorrat zu hause haben.
Versicherungstechnisch unternehmen wir nichts in Hinsicht auf das Stoma. Auslandskrankenschein für das europäische "Ausland",
ansonsten normalerweise nichts. Ich würde in Erwägung ziehen eine Zusatzkrankenversicherung abzuschließen, die auch Rücktransportkosten übernimmt, bei Reisen in Ländern, die möglicherweise ein erhöhtes Gesundheitsrisiko haben, wie in Mittelamerika, Mittel- und Südafrika oder bei Reisen in entlegenen Gegenden wie Papua Neu-Guinea, wo eventuell ein unvorhergesehener Rücktransport notwendig werden könnte ( Stichwort Trekking Touren). Unsere persönliche Erfahrung geht aber dahin, daß man fast überall die nötige Versorgung bekommt, die man sowieso vor Ort privat zahlen muss und meist billig ist.
Wir haben bisher nur einmal erlebt, daß ein Paar die Reise vorzeitig abgebrochen hat, nachdem die übergewichtige und von vornherein durch Bandscheibenvorfall geschädigte, kurz vor OP-Termin stehende Dame, durch Unachtsamkeit gestürzt war, und die weitere Reise einiges an Laufprogramm erwarten ließ. Somit war für diese Dame kein Vergnügen mehr zu erwarten und das Paar ist nach guter ärztlicher Versorgung und Abschluss der leichteren Etappen vorzeitig per Linienflug zurück in die Heimat. Was in diesem Fall die Versicherung trägt ist fraglich.
Sollten Ihnen noch weitere Fragen eingefallen sein, so würde ich auch die gerne beantworten. Aus meiner Sicht ist mit der nötigen Fitness, Vorbereitung und dem Wissen um seine Grenzen, vieles möglich, über diese Grenzen auch hinauszukommen.